Kapitel 4 – Hoffnung

18 Dezember 2008 um 13:42 geschrieben von Shinrei

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Unter allen empyrianischen Gebietern gab es eine Leuchtgestalt, die uns am meisten ansprach, ein wunderschönes Wesen namens Ariel. An einem ihrer ersten Abende in Atreia stieg Ariel vom Turm von Aion herab und gesellte sich zu uns an unser Lagerfeuer. Sie wirkte sehr aufgeschlossen, ging geduldig auf alle unsere Fragen ein und gab uns genau die Antworten, die wir erhofften. Die Balaur würden trotz all ihrer fürchterlichen Macht nicht wagen, die Grenzen des ätherischen Schildes zu überschreiten. Zum ersten Mal seit unzähligen Jahren waren wir tatsächlich in Sicherheit. Wir besitzen immer noch die in eine Steintafel eingeritzte Darstellung dieser Szene, auf der diese wundervolle Frauenfigur mit ausgebreiteten Armen vor uns steht und wir Tränen der Freude und Erleichterung vergießen, während wir nach ewig langem Warten endlich wieder einen Grund zum Feiern hatten.

Ich berichte Euch von Ariel, wie sie die Erste war, die die Weisheit von Lord Israphels überraschendem Vorschlag verstand und erkannte, dass unsere einzige Hoffnung im Frieden bestand. Nur sie besaß die Voraussicht, zu erkennen, dass selbst ein unwahrscheinlicher Sieg uns zu Grunde richten würde; und nur sie war mutig genug, sich den anderen empyrianischen Gebietern entgegenzustellen und ihre unersättliche Kriegslust als hohles und eitles Machtgebahren zu entlarven.

Sie schloss sich Israphels Meinung an, dass wir, wenn wir nach tausend Jahren noch immer in denselben Krieg verstrickt waren, keinerlei Garantie besaßen, dass er nicht auch noch nach zwei-, drei- oder zehntausend Jahren wüten würde. Genau wie zuvor Israphel hatte Ariel erkannt, dass wir durch ein Weiterführen dieses erschöpfenden Krieges Gefahr liefen, mehr als nur zahlenmäßig dezimiert zu werden. Wir drohten, jene Eigenschaft zu verlieren, die uns über die Balaur und all die anderen brutalen Bestien unserer Welt erhob: unsere Menschlichkeit. Es war allgemein bekannt, das Israphel mehr Hass für die Balaur empfand als alle anderen. Wenn sogar er seinen Hass und seine Verachtung zugunsten des Friedens überwinden konnte, dann konnten – nein, mussten – wir alle es ihm gleichtun.

Es gibt zwar keine Aufzeichnungen darüber, wie die Verhandlungen der empyrianischen Gebieter über Israphels Antrag im Einzelnen verliefen; es ist jedoch bekannt, dass sich zwischen Ariel und den mehr kriegerisch gesonnenen Gebietern eine klare Front gebildet hatte. Es war klar, dass der Beschluss Frieden anzustreben nur gegen eine beträchtliche Opposition gefasst werden würde; und zum ersten Mal zeigten sich Risse in unserer bis dahin so geschlossen auftretenden Gemeinschaft.

Doch die Kriegstreiber und Ruhmsüchtigen konnten zetern und schreien, so viel sie wollten, die Autorität von Israphel und Siel als Wächter des Turms konnten sie nicht anzweifeln. Lady Ariel und die vier heiligen Gebieter auf ihrer Seite stritten Stunde um Stunde für die gerechte Sache, doch letztlich war es Lady Siels Zustimmung, die den Ausschlag gab und den endgültigen Beschluss herbeiführte. Die Wächter hatten entschieden: Es sollte Frieden geben.

Unsere Ahnen jubilierten. Und war das nicht auch zu erwarten gewesen? Die unmäßige Wut von Lord Asphel und seinen Handlangern war nichts weiter als das hysterische Zorngeschrei von Kindern, die ihren Willen nicht bekommen. Als sie sich in die kalte Nacht hinwegschwangen, zweifelte niemand daran, dass sie wiederkehren würden, wenn ihre Wut sich etwas abgekühlt haben würde. Es war klar, welcher Pfad nun vor uns lag, und keiner würde wagen, dagegen zu rebellieren.

Ariel und ihre Getreuen stimmten Lob- und Dankesgesänge auf Aion an, und zum ersten Mal seit unzähligen Jahrzehnten wagten wir wieder zu hoffen.

Elyos Symbol (Klein) Asmodier Symbol (Klein)
Einleitung Der Asmodische Standpunkt
Kapitel 1 – Schöpfung
Kapitel 2 – Das Zeitalter der Balaur  
Kapitel 3 – Der Millenniumskrieg  
Kapitel 4 – Hoffnung  
Kapitel 5 – Die große Katastrophe  
Kapitel 6 – Paradies  
Kapitel 7 – Der Abyss und die Sturmlegion  
Kapitel 8 – Ein neuer alter Feind  
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