
Die einzigen Überreste, die nach der Großen Katastrophe von unserem einst so prächtigen Turm noch übrig blieben, waren zwei Stümpfe, einer auf unserer Welt und der andere, der noch von Atreias oberer Hälfte sichtbar war. Der Großteil des Turmes war jedoch zerstört, seine Splitter verteilt über die beiden Hälften unserer Welt.
Dann begann sich eines Tages die Erde um diese Splitter ganz von selbst zu lockern, und sie erhoben sich langsam, um schließlich ganz in der Luft zu schweben. Wir schickten unsere tapfersten Wächter aus, um der Sache auf den Grund zu gehen, und sie stießen auf Portale, die zu riesigen schwebenden Bruchstücken des Turms von Aion führten, in einem seltsamen Reich, in dem der Ätherfluss schier unerschöpflich schien.
Wir nannten diesen Ort den Abyss, und allmählich drangen unsere Daeva immer weiter in diese neue und gefährliche Umgebung vor. Der Äther, den Aion unseren empyrianischen Gebietern geschenkt hatte, und den die Daeva während des Krieges begonnen hatten, für ihre Zwecke zu manipulieren, war in dieser Welt reichlich vorhanden. Viele Daeva waren jedoch verloren; denn die Portale waren instabil und schienen sich nicht mehr öffnen zu wollen, wenn sie einmal geschlossen wurden, wodurch alle, die sie passiert hatten, im Niemandsland endeten.
Eines Tages öffnete sich dann ein neues Portal, das größer und stabiler war als die anderen. Einer unserer Wächter, er hieß Deltras, ging hindurch, und was er auf der anderen Seite sah, raubte ihm den Atem. Er und seine Legion, die Sturmlegion, standen auf der oberen Hälfte Atreias, und wie sie den Himmel überblickten, sahen sie nicht die im Schatten liegenden Überreste des Turms von Aion, sondern stattdessen ihre eigene Heimatwelt Elysea, in warmes Sonnenlicht getaucht.
Mit größter Vorsicht drangen sie weiter vor und erkundeten dieses seltsame Land, das einst ein Teil ihrer Heimat gewesen war. Es war ein dunkler und unheilvoller Ort, voller flüsternder Geräusche und vorbeihuschender Schatten. Dort trafen sie auf die Asmodier, die einst ihre Brüdern und Schwestern gewesen waren, sich jedoch in üble, ungestalte Kreaturen verwandelt hatten. Diese alptraumhaften Wesen wurden noch dazu von einem grausamen empyrianischen Gebieter namens Zikel angeführt.
In der sie umgebenden Dunkelheit konnten unsere Daeva sich nicht richtig verteidigen und wurden von Zikel und seinen Monstern gefangen genommen. Dieser Unhold, den wir einst neben unserer heiligen Lady Ariel verehrt hatten, warf Deltras zu Boden und verlangte, er solle die Seraphengebieter wegen ihrer “Feigheit” verfluchen. Doch der tapfere und edle Deltras bewies den unbeugsamen Stolz der Elyos. Er weigerte sich, die Seraphengebieter zu schmähen und verfluchte stattdessen den arroganten Zikel.
Die Asmodier fielen über Deltras und die seinen her, und wir, die wir auf der anderen Seite des Portals gewartet hatten, sahen nur zwei von ihnen zurückkehren, verletzt und blutverschmiert.





